Neue Angebote für Studierende

Die neuen erfahrungsorientierten Studienmodule des IUU Institut für Unternehmer – und Unternehmensentwicklung ermöglichen Studierenden, mit Führungsverantwortlichen aus Unternehmen und ehemaligen Studierenden von Prof. Dr. Gerd Walger in direkten Kontakt zu kommen und praktische Erfahrungen mit der Entwicklung von Unternehmen zu machen und zu reflektieren. In Relation zum Fachstudium, das ein systematisches und abstraktes Wissen vermittelt, bringen die Studenten in den Angeboten des IUU persönlich in Erfahrung, was das von ihnen gelernte Wissen in konkreten unternehmerischen Situationen praktisch bedeutet und lernen, Verantwortung für ihr Handeln und die Entwicklung des Unternehmens zu übernehmen. Die neuen Studienmodule des IUU richten sich an Studierende von Hochschulen und Universitäten aller Fakultäten und ergänzen ihr Fachstudium, das im Wesentlichen wissenschaftliche Kenntnisse vermittelt, um die Gewinnung persönlicher Erfahrungen.

„Wissenschaftliche Fachkenntnisse sind notwendige, persönliche Erfahrungen sind hinreichende Bedingungen für die Übernahme von Verantwortung im Unternehmen“, sagt Univ.-Prof. Dr. Gerd Walger, geschäftsführender Direktor des IUU. Im Mai bzw Juni verhandeln die Studenten mit professionellen Verhandlern einen vom IUU entwickelten Case bzw. haben als Projektteam die Aufgabe, ein sanierungsbedürftiges Unternehmen zum wirtschaftlichen Erfolg zu führen und ihr Ergebnis gegenüber dem Vorstand, der aus den Vertretern von Unternehmen gebildet wird, zu verantworten. Für Gründer und Nachfolger bietet das IUU zudem einen Erfahrungsaustausch zur Entwicklung und Umsetzung einer persönlichen Gründungs‐ oder Nachfolgekonzeption an. „In unseren Veranstaltungen kommt jeder Student persönlich vor. Jeder kann sich in der Übernahme einer unternehmerischen Führungsaufgabe ausprobieren und erhält ein professionelles Feedback“, sagt Dipl.-Ök. Ralf Neise, Projektleiter des IUU und Ansprechpartner für interessierte Studenten. Studiengebühren werden vom IUU nicht erhoben, die Teilnahme wird durch die kooperierenden Partnerunternehmen finanziert. Studenten, die an Veranstaltungen über zwei Semester teilnehmen, erhalten ein qualifiziertes Zertifikat des An-Instituts der Universität Witten/Herdecke mit dem Umfang von sechs Leistungspunkten. Weitere Informationen unter https://www.iuu-uni-wh.de/studierende/

Was bedeutet Bildung? – eine Antwort auf Gabor Steingarts Frage „Was bedeutet Leben?“

Die Twitter-Nachricht der Schülerin Naina, sie sei fast 18 Jahre und habe keine Ahnung von Steuern, Miete und Versicherungen, aber sie könne eine Gedichtsanalyse in vier Sprachen schreiben, hat eine Riesendebatte um die Bildung im Deutschland losgetreten. Gabor Steingart, Herausgeber des Handelsblatts, erwidert unter der Überschrift „Was bedeutet Leben?“, sie könne froh sein, dass ihre Lehrer ihr die Steueroptimierer und Versicherungsvertreter vom Leib halten. Dichtung habe wahrscheinlich mehr zu bieten und bereichere durch Klang und Klugheit, ohne dass sie dafür Steuern zahlen müsse. In den Gedankengebäuden der Dichter lasse sich sogar mietfrei wohnen. Und Leben sei nur ein anderes Wort für unfertig sein. So gesehen, sei sie mittendrin im Leben.

Die von Naina ausgelöste Diskussion spiegelt die ganze Bildungsdebatte wieder, die sich als ein Streit um Inhalte begreift, in denen die Schüler bzw. Studenten als Personen nicht vorkommen. Es wird um unpersönliches Wissen gestritten, das der Lehrplan der Schule bzw. das Curriculum der Hochschulen beinhalten soll. Und die stetige Zunahme der Wissensbestände gerät angesichts verkürzter Schul- und Studienzeiten in wachsende Konkurrenz, ebenso wie die diese Wissensbestände vertretenden Lehrer. Jeder will das Vorkommen seines Faches sichern. Dabei wird auch um die Auswahlkriterien gerungen: je nach fachlicher Ausrichtung gilt eine unspezifische „Allgemeinbildung“, wie bei Dichtkunst oder Latein, oder eine vermeintliche „Nützlichkeit“ wie z.B. bei der Forderung nach der Einführung des Faches Wirtschaft in der Schule als Kriterium. Dieser Streit ist unlösbar. Schafft man das Analysieren von Gedichten ab und führt man das Wissen um Steuern, Mieten und Versicherungen ein, werden die Klagen nicht abnehmen – auch nicht die der Schüler.

Den streitenden Parteien ist gemein, dass in ihrem Bildungsverständnis die Schüler und Studierenden nicht als Personen sondern nur als Objekte vorkommen, die vorbestimmte Inhalte aufzunehmen und zu speichern haben. Liest man jedoch die Aussage von Naina nicht in Bezug auf die Frage, welche von ihr abstrahierten Inhalte wissenswert sind, sondern als persönliche Aussage, die sie existenziell betrifft, heißt sie: „Ich will ein erwachsener Mensch sein.“ Die Antwort von Steingart auf diese Frage wiederum lautet: „Sei froh, dass die Lehrer Dich als Kind vor dem Erwachsensein schützen! Die unbeschwerte Kindheit ist die bereicherndste Zeit!“ Diese Antwort ist paternalistisch und entmündigt die, um deren Entwicklung zur Mündigkeit es geht. Sie behindert die Bildung von Selbstständigkeit und Selbstverantwortung.

Das Problem unseres Bildungssystems ist, dass im Streit um die Bestimmung von unpersönlichen Inhalten die subjektive Bildung, die persönliche Bezugnahme auf die, um die es geht, und die Auseinandersetzung mit ihrer menschlichen Entwicklung, verloren gegangen ist. Wir sind, wie Bastian Balthasar Bux in der unendlichen Geschichte von Michael Ende, im Reich der vom Leben abgelösten, fantastischen Gedanken angekommen, in dem die Erinnerung an das Menschsein verloren geht. Bastian Balthasar Bux kommt schließlich in das Änderhaus der Dame Aiuóla, die ihm seine eigene Geschichte erzählt, und in dem er anfängt, auf seine persönlichen Erfahrungen und sich selbst Bezug zu nehmen. Abstraktes Wissen zu lernen ist die notwendige, Reflexion und Selbst-Bezugnahme sind die hinreichenden Bedingungen menschlicher Bildung. Wir brauchen mehr Änderhäuser in Deutschland!

Partnerschaft für Innovation und Führungsnachwuchs

Mit Unterstützung des IUU erarbeiten Studierende in abgestimmten Projekten innovative Lösungen für mittelständische Unternehmen. Unkonventionelle Ansätze der Studierenden bringen eingefahrene Sichtweisen im Unternehmen in Bewegung. Aktuelle Themen sind z.B. die Frage, was das „Internet of things“ für ein Familienunternehmen bedeutet, das Produkte für den privaten Haushalt herstellt oder die Entwicklung eines „Zukunftskonzept 2020“ für ein mittelständisches Unternehmen des stationären Lebensmittel-Einzelhandels.

In Planspielen des IUU, in denen Studierende und Unternehmensvertreter je geeignete Rollen übernehmen, werden die Entfaltung von unternehmerischer Eigeninitiative und die Übernahme von persönlicher Verantwortung durch die Studierenden sichtbar. Die Unternehmensvertreter kommen in direkten und persönlichen Kontakt mit Studierenden und können auf der Basis konkreter Erfahrungen entscheiden, ob und welche Studierenden sie ggf. für eine Mitarbeit im Unternehmen bzw. die Umsetzung der erarbeiteten Konzeptionen gewinnen wollen.

Zudem tragen die Unternehmen zu einer sinnvollen Ausbildung der Studierenden bei. Sie ermöglichen ihnen, praktische Erfahrungen im Unternehmen und mit sich zu machen. Indem das IUU auf diese Erfahrungen und die Studenten persönlich Bezug nimmt und ihre Reflexion unterstützt, bilden die Studierenden ihre praktische Handlungsfähigkeit und ihr unternehmerisches Selbstverständnis aus. Interessierte Unternehmen informiert Dipl.-Ök. Ralf Neise über die konkreten Möglichkeiten der Partnerschaft.